Schon wieder eine Absage! Ärgerlich legt Frau Schmitz den Brief beiseite. Keine Bank will ihrem Verein „Sprache und Integration e.V.“ den Kredit für eine Erweiterung geben. Dabei funktioniert das Konzept einwandfrei. Der Verein vermittelt in München zwischen deutschsprachigen Jugendlichen, die Türkisch lernen wollen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die ihre Deutschfähigkeiten verbessern wollen. Dafür stellt der Verein auch die Räumlichkeiten bereit. Die Idee dazu kam Frau Schmitz, die seit vielen Jahren in Organisationen für Migranten arbeitet, als sie einen Zeitungsartikel über die Bedeutung von Sprachkenntnissen las.
Mit einigen Mitstreitern gründete sie vor zwei Jahren den Verein und setzte das Konzept in die Tat um. Noch immer waren Spenden die größte Einnahmequelle, doch mit einer geringen Gebühr für die Vermittlung der Stunden trug der Verein einen Teil seiner Kosten selbst.
Schon seit einiger Zeit denkt Frau Schmitz daran, den Verein auf andere Städte auszudehnen. Sie hat Kontakte in Hamburg aktiviert, mögliche Räumlichkeiten aufgetan und würde lieber heute als morgen in der Hansestadt aktiv werden. Für diesen Plan konnte sie sogar Fördermittel der EU im Rahmen des XENOS-Programms gewinnen. Dennoch steht der Verein vor einem Finanzierungsproblem. Denn die XENOS-Mittel fließen erst nach einiger Zeit, der Aufbau der Hamburger Zweigstelle müsste also vorfinanziert werden. Doch keine Bank scheint zur Finanzierung bereit.
BonVenture als Alternative
Vielleicht gibt es jedoch eine Alternative. In der Zeitschrift „enorm“ las Frau Schmitz einen Artikel über BonVenture und den Ansatz des sozialen Risikokapitals. Ist sie etwa eine Sozialunternehmerin? Frau Schmitz ist sich nicht sicher…
Der Brief der Bank landet im Papierkorb. Frau Schmitz setzt sich an den Computer und sucht im Internet nach BonVenture. Nach ein wenig Stöbern auf der BonVenture Website findet sie ein Online-Formular, über das sie mit BonVenture Kontakt aufnehmen kann. Sie füllt die vorbereitete Ersteinschätzung aus und hängt dazu ihren „Business Plan“ dran, der ihr Projekt und seine Zielsetzung, die Entwicklung und die geplante Erweiterung des Vereins sowie den Finanzbedarf und die Planung darstellt. All das hatte sie schon für die Vorstellung ihres Projektes bei den Banken zusammengefasst.
Einige Tage später meldet sich ein Investmentmanager von BonVenture bei Frau Schmitz und erklärt, dass er ihr Vorhaben sehr interessant fände. Nach einigen Fragen zum bisher erreichten sozialen Mehrwert (dem sogenannten Social Impact), vereinbaren die beiden einen Termin in den Räumen des Vereins, um sich persönlich kennenzulernen und etwas genauer über die Pläne und Ziele auszutauschen.
Einladung zu BonVenture
Etwa eine Woche nach dem Treffen zwischen Frau Schmitz, einigen Vereinsmitgliedern und dem Vertreter von BonVenture klingelt bei Frau Schmitz das Telefon. Ihr Verein und seine Erweiterung, erklärt der Investmentmanager von BonVenture, hätten auch dem wichtigsten Entscheidungsgremium von BonVenture, dem Beirat gefallen. Nun sei sie eingeladen, das Projekt mit einer kleinen Präsentation auf der nächsten Beiratssitzung vorzustellen. Er selbst würde ihr helfen und auch alle wichtigen Informationen mit ihr zusammenfassen.
Endlich ist der große Tag gekommen! Ein wenig nervös ist Frau Schmitz schon, doch die Präsentation läuft problemlos. Und auch bei der anschließenden Diskussion mit den Beiräten, hat sie ein gutes Gefühl. Dass sie dieses Gefühl nicht getrogen hat, erfährt sie am nächsten Tag: Einstimmig haben die Beiräte beschlossen, das Projekt weiterzuverfolgen und mit Aussicht auf ein Darlehen in die vertiefende Prüfung zu gehen.
Auf dem Weg zur Unterstützung
Im nächsten Schritt erstellt der Investmentmanager bei BonVenture den sog. Letter of Intent (LOI), in dem BonVenture und der Verein festhalten, dass sie eine Kooperation anstreben. Auch die gemeinsam ausgehandelten Rahmenkonditionen für ein Engagement (u.a. Zinshöhe und Tilgungsraten) werden darin grob spezifiziert. Aufwändiger ist da schon die Due-Diligence-Prüfung, bei der BonVenture Referenzen anruft, den Markt für Sprachunterricht und Sprachtandemvermittlungen analysiert und Kopien der Vereinssatzung, von Arbeitsverträgen und der letzten Jahresabschlüsse überprüft.
Außerdem werden die Ziele definiert, die der Verein erreichen soll, um die Erweiterung zu einem Erfolg zu machen und wie dieser Erfolg überprüft bzw. gemessen werden kann. Für den Verein „Sprache und Integration e.V.“, sind diese Messgrößen die Anzahl der vermittelten Tandemsprachstunden und die Höhe der eingeworbenen Spenden. Die Auszahlung des Darlehens wird dann an das Erreichen bestimmter Etappenziele (Meilensteine) geknüpft. Zuletzt werden die Ergebnisse der Prüfung und die Zielfestlegung in einem ausführlichen Investmentmemorandum zusammengefasst und gemeinsam mit dem Darlehensvertrag dem Beirat zur Beschlussfassung vorgelegt.
Geschafft!
Zwölf Wochen nach dem ersten Kontakt unterschreibt Frau Schmitz den Darlehensvertrag, den zuvor alle Beiräte persönlich bestätigt haben. Der Vertrag sieht ein meilensteinabhängiges Darlehen in Höhe von TEUR 250 zu einem Zinssatz von 8 % vor. Um die Mittelverwendung im Auge zu behalten, erhält BonVenture einen Sitz im Beirat des Vereins.
Bereits einige Tage später geht die erste Tranche auf dem Konto des Vereins ein. Die Freude ist groß und Frau Schmitz beginnt sogleich mit der Umsetzung ihrer Pläne für Hamburg. Zudem betraut sie einen Mitarbeiter damit, monatlich die vereinbarten Daten zur Aktivität und finanziellen Lage an BonVenture zu senden.
BonVenture wiederum vermittelt, um den Verein bei der Erweiterung zu unterstützen, einen erfahrenen Unternehmensberater, der dem Verein ehrenamtlich einige Stunden in der Woche mit Rat und Tat zur Seite steht.
