Kleines Lexikon des sozialen Risikokapitals


Bislang sind soziales Risikokapital, Social Entrepreneurship oder Venture Philanthropy - leider - nur wenigen ein Begriff. BonVenture möchte, dass sich das ändert und die Idee des Sozialunternehmertums sich weiter verbreitet. Daher haben wir hier einige Erklärungen zu typischen Themen und Konzepten zusammengestellt. Auch weitere Fragen beantworten wir gerne. Schreiben Sie uns einfach: info@bonventure.de

Glossar

Businessplan

Ein Geschäftsplan (engl. business plan) ist die schriftliche Zusammenfassung eines unternehmerischen Vorhabens. Basierend auf einer Geschäftsidee, stellt er Strategie und Ziele dar, die mit Produktion, Vertrieb und Finanzierung eines Produktes/einer Dienstleistung verbunden sind. Zudem muss der Geschäftsplan alle betriebswirtschaftlichen und finanziellen Aspekte des Vorhabens beleuchten.
Der Geschäfts- oder Businessplan ist ein Werkzeug, bei dem der Verfasser Ziele und Strategie seines Vorhabens für sich selbst formuliert. Das verhilft ihm zu einer systematischen Vorgehensweise, denn die schriftliche Fixierung erfordert konkrete Entscheidungen. Der Geschäftsplan entwickelt sich mit dem jeweiligen Vorhaben weiter. Des weiteren ist der Geschäftsplan ein Verkaufspapier: Es verkauft die Geschäftsidee nach außen und macht deutlich, dass sich mit dem beschriebenen Produkt/der Dienstleistung Geld verdienen lässt. Er bildet so auch die Grundlage für die Gespräche mit Banken, öffentlicher Hand, Förderinstitutionen, Risikokapitalgebern (Venture Capitalists), Business Angels, Beratern, Kooperationspartnern, Bürgen oder Geschäftsleitung.

Controlling

Das Controlling (von engl. to control für „steuern“, „regeln“) ist ein umfassendes Steuerungs- und Koordinationskonzept, das die Geschäftsführung und die führungsverantwortlichen Stellen unterstützt. Es hilft diesen, bestehende betriebliche Prozesse zielgerichtet zu beeinflussen. Langfristiges Ziel ist dabei, das Vermögen des Unternehmens zu sichern und zu mehren oder den Organisationszweck im nicht-wirtschaftlichen Bereich zu erfüllen.

Double-Bottom-Line Ansatz

Ein Erfolgsmaßstab, der zwei Formen des Gewinns kombiniert: Eine finanzielle und eine soziale Rendite. So wird eine möglichst hohe soziale Wirkung (Social Impact) zusammen mit meist nachrangigen finanziellen Zielen (z.B. Kapitalerhalt) verfolgt.

Innovation

Eine absolute Neuheit bzw. die Kombination bewährter Elemente zu einem neuen Ganzen. Oder auch die Adaption erfolgreicher Modelle aus dem Ausland für den heimischen Markt.

Key Performance Indicator (KPI)

KPI's bezeichnen betriebswirtschaftlich definierte Kennzahlen hinsichtlich wichtiger Zielsetzungen oder kritischer Erfolgsfaktoren. Sie dienen dazu, den Fortschritt oder Erfüllungsgrad innerhalb einer Organisation zu messen und/oder ermitteln.

Messung des Social Impacts

Bisher existiert kein Rahmen oder Schema zur allgemein anerkannten, objektiven Messung von Social Impact. Auf Projektebene gibt es Ansätze, insbesondere aus den USA, zur individuellen Messung sogenannter Key-Performance-Indikatoren. Sie sollen den Social Impact zumindest subjektiv kommunizierbar machen. Siehe auch Social Reporting Standard.

Proof of Concept/Machbarkeitsnachweis

Machbarkeitsnachweis: Belege dafür, dass ein Konzept/Geschäftsvorhaben belast- und realisierbar ist. Als Prüfinstrument dient neben dem Businessplan zum Beispiel die SWOT-Analyse (SWOT steht für  Strengths/ Stärken, Weaknesses/Schwächen, Opportunities/Chancen und Threats/Gefahren).

Reporting

Der deutsche Ausdruck lautet „Betriebliches Berichtswesen“. Das Reporting umfasst alle Einrichtungen, Mittel und Maßnahmen, die ein Betrieb nutzt, um einen geordneten Bericht zu erstellen. Zu den Arbeitsgängen des Reportings gehören Erarbeiten, Weiterleiten, Verarbeiten und Speichern von Informationen über den Betrieb und seine Umwelt. Als Berichte werden für eine übergeordnete Zielsetzung zusammengefasste Informationen verstanden.

Skalierung

Bezogen auf Sozialunternehmen sind darunter Wachstum oder Verbreitung des Angebotes bzw. Produkts zu verstehen. Sei es geographisch (z.B. neue Standorte), personenbezogen (durch Multiplikatoren, intensivierte Ansprache der Zielgruppe) oder qualitativ (z.B. breiteres Angebot).

Social Business/Sozialunternehmen

Friedens-Nobelpreisträger Muhamat Yunus, der als einer der Väter der Social Business-Idee gilt, versteht darunter ein For-Profit-Unternehmen, das seine Gewinne nicht ausschüttet. Oder das der Zielgruppe selbst gehört (wie bei Genossenschaftsmodellen). BonVenture pflegt ein erweitertes Verständnis. Dieses schließt auch Organisationsformen ein, die z.B. einen Teil ihrer Gewinne ausschütten oder diese spenden. Wir akzeptieren außerdem Sozialunternehmen, die hybride Strukturen nutzen (d.h. als Mischung aus gemeinnütziger Organisation und Unternehmen agieren).

Soziales Risikokapital/Social Venture Capital

Der Begriff steht für Wagnis- oder Risikokapital (engl. Venture Capital), das gezielt für den sozialen Sektor bereitgestellt wird. Die Kapitalgeber (Investoren) sind bereit, in Sozialunternehmen zu investieren. Sie nutzen dabei die bewährten Instrumente des Risikokapitals, orientieren sich jedoch nicht allein an der finanziellen Gewinnmöglichkeit. Mindestens genauso wichtig ist ihnen die soziale Wirksamkeit (Social Impact) des unterstützten Vorhabens. Vgl. „Double-Bottom-Line Ansatz“.

Social Reporting Standard (SRS)/Berichtsstandard für soziale Organisationen

Der Berichtsstandard für soziale Organisationen (Social Reporting Standard, SRS) ist ein Reportingdokument, welches den Fokus auf wirkungsorientierte Berichterstattung legt. Es werden Angaben erfasst zur Organisation bzw. einem Projektvorhaben, deren sozialen Wirkung und Finanzen. Der Berichtstandard wird typischerweise verwendet in Jahres- und Quartalsberichten für Finanzierer und Öffentlichkeit oder bei Bewerbungen und Anträgen. Folgende Organisationen sind die Initiatoren des Social Reporting Standards (SRS): Ashoka, Auridis, BonVenture, Schwab Foundation und PriceWaterhouseCoopers. In unserem Download-Bereich finden Sie einen Leitfaden zum SRS und eine Excel-Ausfüllmaske.

Sozialunternehmer/Social Entrepreneur

Social Entrepreneurs (auch: Sozialunternehmer) sind kreative, unternehmerisch denkende Persönlichkeiten, die ein soziales Projekt mit Kraft, Engagement, hoher Motivation und Identifikation führen. Ihr Ziel sind nachhaltig positive Veränderungen im sozialen, ökologischen oder gesellschaftlichen Bereich.

Soziale Investitionen und soziale Verantwortung

Die Definition von sozialer Verantwortung ist subjektiv geprägt. Sie sollte jedoch die jeweilige individuelle Einstellung zur Übernahme von Verantwortung gegenüber Mitmenschen, Gesellschaft und Umwelt zum Ausdruck bringen. Soziale Investitionen sind finanzielle Engagements (Eigenkapital, Darlehen, etc.) in Organisationen bzw. Projekte mit sozialem Geschäftszweck.

Soziale Wirkung/Social Impact

Social Impact ist der erzielte Einfluss auf nicht monetäre Ziele, also das soziale, ökologische oder gesellschaftliche Ergebnis der Projektarbeit.

Venture Philanthropy

Der Ansatz der Venture Philanthropy stammt aus dem angelsächsischen Raum (aus engl. Venture Capital und Philanthropy gebildet). Mit dem Wunsch, für Menschen Gutes zu bewirken, wird Startkapital über Spenden oder zinslose Darlehen bereitgestellt. Venture Philanthropen erhoffen sich von dieser Brücke zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit neue Impulse für nachhaltige  positive Veränderungen.